Norman SchüttUnf*ck IT | Pragmatische Modernisierung und Digitalisierung | Fractional CTO und Software Engineer für den Mittelstand
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Mein Steuerberater dachte, ich hätte meine Terminbuchung selbst programmiert
Neulich saß ich beim Steuerberater. Kennenlerngespräch, wir reden über Zahlen, Strukturen, das Übliche. Am Ende – das Gespräch ist eigentlich vorbei – hält er kurz inne und fragt: „Sagen Sie mal, diese Terminbuchung auf Ihrer Website... haben Sie das selbst programmiert?"
Er meinte Cal.com. Ein Standard-Tool. Gibt's seit Jahren. Kostet quasi nichts.
Ich hab ihm den Link geschickt. Er war ehrlich beeindruckt – davon, dass so etwas existiert.
Ein paar Wochen vorher, ähnliche Situation. Ich berate einen CEO, arbeite als externer technischer Berater mit seinem Team. Eine Kollegin aus dem Management sagt mir nach einem Meeting: „Das mit deinem Kalender-Link in der E-Mail-Signatur – richtig clever. So einfach, aber ich kann dir jederzeit einen Termin reinhauen, ohne dass wir zehn Mails hin- und herschicken."
Auch das: Ein Link. In einer E-Mail-Signatur. Keine Raketenwissenschaft.
Dieselbe Kollegin, ein anderes Meeting. Sie erklärt mir 20 Minuten lang einen komplexen Sachverhalt – Hintergrund für eine Aufgabe, die ans Entwicklungsteam gehen soll.
Ich höre zu. Mache mir ein paar Notizen. Nach dem Call lasse ich die Transkription durch mein KI-Tool laufen, ergänze meine Gedanken, und fünf Minuten später geht eine fertig formulierte Aufgabe ans Team raus.
Ihre Reaktion: „Wie hast du das so schnell gemacht?"
Die Antwort: Ein Transkriptions-Tool und ein LLM. Beides frei verfügbar. Beides seit Monaten auf dem Markt.
Ich erzähle diese Geschichten nicht, um anzugeben. Ich erzähle sie, weil sie ein Muster zeigen.
Wir reden ständig über Digitalisierung, KI, Transformation. Aber die Realität ist: Ein Großteil der Unternehmen weiß nicht, welche Tools es heute gibt. Nicht die komplexen Enterprise-Lösungen – die einfachen Dinge. Die Sachen, die jeder Freelancer seit Jahren nutzt.
Cal.com statt E-Mail-Pingpong. Transkription statt Gedächtnisprotokolle. KI-Zusammenfassungen statt Nachbearbeitungsstunden.
Das sind keine technischen Revolutionen. Das ist Tooling, das Reibung aus dem Alltag nimmt.
Jetzt könnte man sagen: „Gut, dann google ich halt mal nach Tools."
Aber das ist nicht der Punkt. Die Tools sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass Sie nicht wissen, wonach Sie suchen sollen. Sie wissen nicht, dass es eine Lösung gibt – also suchen Sie nicht danach.
Ihr Steuerberater ist Experte für Steuerrecht. Ihre Anwältin für Vertragsrecht. Ihr Vertriebsleiter für Kundenbeziehungen. Niemand von denen hat die Aufgabe, den SaaS-Markt zu scannen.
Und Sie als Geschäftsführer? Sie haben andere Probleme.
Das ist der eigentliche Grund, warum Unternehmen jemanden brauchen, der diese Lücken sieht. Nicht um Code zu schreiben. Nicht um IT-Projekte zu managen. Sondern um die offensichtlichen Dinge zu finden, die für Sie unsichtbar sind.
Ein Entwickler denkt nicht daran, Ihnen Cal.com zu empfehlen. Das ist unter seiner Wahrnehmungsschwelle.
Jemand, der das Gesamtbild sieht – der fragt: Wo verliert ihr jeden Tag fünf Minuten, die sich auf einen Monat zu Stunden summieren?
Mein Steuerberater ist übrigens exzellent in dem, was er tut. Er kennt Dinge im Steuerrecht, von denen ich nicht mal wusste, dass sie existieren.
Genau so funktioniert Expertise. In beide Richtungen.
Die Frage ist nur: Wer zeigt Ihnen die blinden Flecken in Ihrem Bereich?
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Norman Schütt
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